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Prolog

Laut riefen die Leute nach ihr, doch sie blickte nicht zurück. Panische Angst lähmte sie; sie konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Aber es war nicht die Furcht um ihr Leben, sondern die um das Kind in ihrem Arm. Sie wüsste nicht, was mit ihm passieren würde, wenn die Dorfbewohner sie einholen würden.

Sie irrte weiter durch die verregneten und schlammigen Pfade. Anscheinend hatten die Männer ihre Spur verloren, weil sie ihre Stimmen nicht mehr hören konnte. Dennoch beruhigte es sie nicht. Sie war auf der Flucht und würde es bleiben, solange bis sie gefasst und vor den Augen aller hingerichtet wurde. Man hat so viel über sie erzählt, dass niemand – nicht einmal jene, die sich ihre Freunde nannten – mehr wusste, was Wahrheit und was Lüge war. Obwohl sie den Dorfbewohnern stets geholfen hatte wo sie konnte, hatte sie seit den Gerüchten entweder feindselige oder ängstliche Blicke als Dank bekommen.

Das Kind in ihren Armen begann leise zu wimmern. Aus irgendeinem Grund wusste es, dass sein lautes Weinen es und seine Mutter sonst verraten hätte. Es war in viele Leinen eingewickelt, damit es bloß nicht fror. Bald würde der Winter einbrechen, das merkte die Mutter bereits in dieser Nacht. Das Wimmern wurde ihr unerträglich, weil sie ihr Kleines nicht weinen sehen konnte. Es schien hungrig zu sein.

„Schsch…“, raunte sie, bleibt kurz stehen und sah sich um.

30.10.08 19:10
 


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